
21.10.2025
Warum mein Kind nicht schuld ist an meinen Gefühlen
Ein Blick auf die Haltung in der GfK
Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ist kein Abarbeiten von Floskeln.
Kein: Ein bisschen Gefühl hier und dort etwas mehr Verständnis. Vielmehr geht es um meine innere Haltung, die ich den Menschen gegenüber habe. Diese Haltung ist das Fundament, auf dem ich Handlungsstrategien aufbauen kann.
Was aber meine ich mit Haltung?
Rosenberg hat sechs Grundannahmen aufgestellt, die uns durch das Leben lenken, wenn wir bereit dazu sind.
- Jeder Mensch tut sein einzig Mögliches, in dem, was er tut.
- Jeder Mensch kann seine Meinung ändern. Dadurch gibt es kein richtig und kein falsch.
- Mein Gegenüber löst in mir Gefühle aus, die auf un-/erfüllten Bedürfnissen fußen. Mein Gegenüber ist nicht der Grund dafür, nur der Auslöser.
- Ich bin für die Erfüllung meiner Bedürfnisse selbst verantwortlich. Dies ist nicht an einen bestimmten Ort, eine Person, eine Handlung oder eine bestimmte Zeit gebunden.
- Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse, jedoch ordnet jeder Mensch sie individuell nach seiner Wichtigkeit.
- Jeder Mensch ist grundsätzlich dazu bereit, zum Wohle anderer beizutragen, solange dies nicht im Gegensatz zu den eigenen Bedürfnissen steht.
Wenn ich diese Annahmen verinnerliche, dann kann ich auf die menschliche Kommunikation mit viel mehr Frieden und Leichtigkeit blicken.
Aber was hat das jetzt für meine Beziehung zu meinem Kind zu bedeuten?
Wenn ich die GfK verinnerlicht habe, darf ich sicher sein, dass mein Kind mich nicht ärgern möchte mit seinem Verhalten. Es zeigt mir gerade nur, dass es sich um sich kümmert. Es tut sein ihm gerade einzig Mögliches. Das kann sein, dass es mich stört, wie es das tut und löst in mir dann Gefühle aus. Mein Kind ist dadurch aber nicht schuld an meinen Gefühlen, sondern ist der Auslöser dafür. Denn diese Gefühle, die in mir ausgelöst werden (Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Einsamkeit, …) weisen auf ein (meist) unerfülltes Bedürfnis hin, worum ICH mich selbst zu kümmern habe. Dafür ist nicht mein Kind, mein Mann oder meine Nachbarin zuständig. Natürlich kann ich sie fragen, ob sie bereit dazu sind, mich zu unterstützen, mir Aufmerksamkeit zu schenken oder mit mir in den Austausch zu gehen; sind sie nicht bereit, dann finde ich andere Strategien, um meine Ruhe, meine Leichtigkeit oder meinen Austausch zu bekommen. Ich werde also selbst aktiv und kreativ, anstatt passiv darauf zu warten, dass mein Gegenüber sieht, was mir fehlt. Grundsätzlich bin ich auch bereit, zum Wohler meiner Mitmenschen beizutragen. Dies kann ich jedoch vor allem dann machen, wenn meine Bedürfnisse (weitestgehend) erfüllt sind.
Wenn ich dies in jeder Situation verinnerliche, dann ist die Umsetzung gar nicht mehr so sehr herausfordernd.
„Ja nee, is kla!
Wie soll ich das alles denn verinnerlichen? Niemand achtet in unserer Gesellschaft auf den anderen, alle denken nur an sich. Also ziehe ich auch meinen Streifen durch. Hab‘ ich ja immer schon gemacht.“
Ich darf meine Ansichten und Annahmen ja auch überdenken. Wer A sagt, muss nicht auch A machen und dann B sagen. Ich kann auch alles über den Haufen werfen und neu starten. Und so kann ich auch das Konzept der GfK leben und mich neu orientieren.
Durch die Haltung der GfK wird die Welt (oder mein Kind!) nicht plötzlich besser oder bunter oder friedlicher. Doch mein Blick darauf verändert sich. Ich kann milder damit umgehen - mit anderen und mit mir. Ohne Bewertung, ohne mich selbst aufzugeben, mit dem Wissen, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist.
Du willst wissen, wie du es schaffst, Grundsätze der GfK und der LilaLiebe® in deinen Familienalltag einzubauen? Sprich mich an, ich berate dich gerne!

Warum mein Kind mich in der Wut besonders braucht – Wie reagiere ich auf Wutausbrüche?
Dein Kind rastet ständig aus? Es schlägt um sich? Beißt, tritt?
Du hast gerade NEIN gesagt und dein Kind hat einen Wutausbruch vom Allerfeinsten.
Puh! Das ist echt schwer auszuhalten. Vielleicht kommen dir Gedanken wie: „Kann es nicht einfach mal leicht sein?“ Oder: „Was zur Hölle soll das denn bitte?“ „Stell dich jetzt nicht so an!“
Das sind Gedanken, die uns Eltern kommen und das ist vollkommen in Ordnung. Wir sind Menschen und haben Bedürfnisse und in solchen Situationen sind wir einfach überfordert.
Wir möchten Leichtigkeit im Alltag und dass es einfach mal funktioniert. Und dann überschwappen uns diese Gefühle: Wut, Hass, Entsetzen, Zorn, Genervtheit oder Ohnmacht und ich könnte noch ein bisschen so weiter aufzählen. Am liebsten würdest du dein Kind jetzt nehmen und schütteln. Dir wird heiß, die Wut steigt deine Kehle hoch. Schließlich soll dein Kind einfach nur die Jacke anziehen und du hast nein zum T-Shirt gesagt. Geht’s noch?
Es ist ok, dass wir diese Gefühle haben, denn sie weisen auf ein unerfülltes Bedürfnis hin: Kooperation, Leichtigkeit, Verbindung, Verstehen, Empathie. Du weißt in dem Moment, dass du es anders machen möchtest, als es deine Eltern vielleicht getan haben. Dass du nicht schreien willst, dass du ruhig bleiben willst, aber wie soll das denn gehen?
Wenn du erkennst, warum du sauer, wütend, zornig und so weiter wirst, dann ist das schon fast die halbe Miete. Denn dann verstehst du schon, worum du dich kümmern kannst. Denn du bist für die Erfüllung deiner Bedürfnisse selbst verantwortlich, nicht dein*e Partner*in und auch nicht dein Kind. Brauchst du Kooperation? Dass dein Kind jetzt einfach mitmacht? Dann frage dich mal, ob du gerade bereit bist zu kooperieren? Bist du bereit, auf dein Kind zuzugehen?
Brauchst du Leichtigkeit? Wie kannst Du die Situation leichter angehen, wie kannst du es dir jetzt leicht machen? Kannst du evtl. Prinzipien über Bord werfen?
Brauchst du Empathie? Dann nimm deine Gefühle in dieser Situation wahr und lass sie einfach mal so stehen. Es ist ok, sie dürfen sein. Vielleicht kannst du dich später darum kümmern, wenn die Situation vorbei ist.
Möchtest du dein Kind verstehen und möchtest wieder Verbindung zu ihm bekommen? Dann versuche erstmal dich in der Situation zu verstehen und verbinde dich mit dir. In dieser Situation. Schau hin, was gerade passiert ist, schau dir dein Kind an: Was macht es? Was sagt es?
Wenn du dich im „Griff hast“, dann kannst du einen Schritt weitergehen und auf dein Kind schauen und herausfinden, was es jetzt gerade braucht. Marshall B. Rosenberg hat in einer seiner Grundannahmen festgehalten, dass jeder Mensch für die Erfüllung seiner Bedürfnisse selbst verantwortlich ist. Das gilt für uns Erwachsene, nicht aber für die Kinder. Wir als Eltern sind für die Bedürfniserfüllung der Kinder verantwortlich. Also braucht dein Kind dich JETZT in dieser Herausforderung. Dein Kind möchte dich nicht ärgern. Es möchte dir sagen: „Mama, Papa, schau her. Du hast gerade nein gesagt und jetzt stürzt eine Welt für mich zusammen. Ich hatte mir das anders vorgestellt und mein Kopf ist voller Enttäuschung und Trauer und Wut. Immer soll ich auf dich hören. Dabei möchte ich selbst mal was entscheiden. Du verstehst mich ja gar nicht richtig. Und wo soll ich jetzt mit diesen ganzen Gefühlen hin????“ So, oder so ähnlich könne es im Kopf deines Kindes aussehen. Es braucht definitiv deine Hilfe!
Aber wie soll das aussehen?

04.11.2025
Ansprechen wird vermutlich erstmal nichts bringen. Es wird dich gar nicht richtig hören. Du kannst erstmal nur warten, da sein und
non-verbale Empathie schenken. Pass auf, dass dein Kind sich nicht verletzt oder etwas zerstört wird. Lass die Gefühle sein und die Wut und die Worte. Irgendwann kannst du dein Kind wieder erreichen und dann kannst du mit ihm sprechen. Über das, was gerade passiert ist. Über die Gefühle und den Schmerz und ihr könnt in Verbindung kommen. Dein Kind braucht jetzt deine Empathie und deine bedingungslose Liebe, ohne Verurteilung. Du kannst hinsehen, was dein Kind jetzt braucht. Welches Bedürfnis ist unerfüllt durch dein NEIN? Dieses Bedürfnis darfst du erfüllen und dann kommt ihr in Verbindung und Kooperation.
Die Begleitung eines Wutausbruches ist anstrengend, scheiße anstrengend, und gleichzeitig braucht dein Kind deine Präsenz. Du bleibst am Ball, du bist da.
Dein Kind lernt daraus, dass du zuverlässig bist, dass du da bist, egal was passiert. Es lernt, dass es gut ist, so wie es ist, auch wenn es jetzt gerade nicht funktioniert - nicht funktionieren konnte. Es lernt, dass seine Gefühle ok sind und ernst genommen werden, und es lernt, dass du es liebst, egal was es auch nur tut.
Möchtest du mehr Impulse für deinen Alltag mit deinem Kind, dann folge mir!

Non-Verbale Empathie - Hast du davon schonmal etwas gehört?
Im Grunde ist es das, wonach es klingt: Empathie, die nicht ausgesprochen wird.
Meist ist sie zu nutzen, wenn ausgesprochene Worte nicht mehr helfen, zum Beispiel bei einem kindlichen Wutausbruch.
Du schenkst Empathie, so wie du es auch mit Worten machen würdest:
"Du bist gerade furchtbar sauer, weil ich NEIN gesagt habe. Und du hast es dir gerade ganz anders vorgestellt mit dem Spaziergang. Du wolltest ohne deine Jacke rausgehen. Ich bin da. Ich bleibe bei dir. Da sind gerade viele Gefühle in dir. Das sehe ich. ….“ Dies wiederholst du in deinem Kopf. Warum fragst du dich?
Hat dein Kind einen Wutausbruch, dann kommst du mit Worten nicht mehr heran. Dein Kind hört dich einfach nicht. Was du sagen kannst, ist: „Ich bin da.“ Und den Rest denkst du dir.
„Was bringt es meinem Kind, wenn ich die Worte nur denke und sie ja gar nicht sage?“, fragst du dich?
Deine Haltung dem Kind gegenüber ändert sich.
Probiere es einmal aus! Wenn du dir denkst: „Mein Gott, so schlimm ist es ja jetzt auch wieder nicht. Zieh die blöde Jacke einfach an und dann lass uns endlich gehen, Herr Gott nochmal.“ Welche Haltung hast du? Wie fühlt es sich in deinem Kopf oder Bauch an?
Und jetzt sage dir im Kopf nochmal die non-verbale Empathie: „Du bist gerade furchtbar sauer, weil […]“
Was verändert sich bei dir jetzt? Womit geht es dir besser?
Das ist deine elterliche Liebe. Du bleibst bei deinem Kind und signalisierst ihm: „Wir beide schaffen das zusammen. Ich bin für dich da, ich sehe und höre dich.“ Das Nervensystem deines Kindes kann sich dadurch entspannen und der Wutausbruch kann sich wieder legen. Eventuell nicht sofort, vielleicht dauert es 20 Minuten, doch du bist da - mit deiner Haltung und deiner Empathie.
Übrigens hilft es auch in einem Streit mit anderen Erwachsenen im Haushalt. Das ist vielleicht etwas anstrengender, weil wir kein wütendes Kind vor uns haben, sondern einen keifenden Mann oder eine tobende Frau, gleichzeitig ändert sich auch da die Haltung dem anderen Menschen gegenüber. Weniger Verurteilung, mehr Verbindung. Leicht ist es nicht, da darf auch ich noch üben.
Möchtest du mehr Unterstützung im Alltag? Dann folge mir bei
04.11.2025
